Sich wehren darf man lernen

Nicht alle Menschen wissen, dass sie sich wehren dürfen. Nicht, weil sie es nicht wollen.
Sondern weil sie es nie gelernt haben. Oder weil ihnen niemand gesagt hat, dass sie das dürfen.


In der Präventionsarbeit geht es nicht nur um Strukturen. Nicht nur um Schutzkonzepte oder Abläufe. Es geht auch darum, Menschen darin zu stärken, sich selbst wahrzunehmen.

Zu spüren: Was fühlt sich für mich gut an? Was nicht? Wo ist meine Grenze?

Gerade für Menschen in vulnerablen Lebenssituationen ist das nicht selbstverständlich.

Nicht, weil diese Fähigkeit nicht da ist. Sondern weil sie oft zu wenig Raum bekommt.


Es sind oft leise Momente. Ein Zögern. Ein inneres Unwohlsein. Ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Und genau dort beginnt etwas Wichtiges: Die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen.


Viele Menschen lernen erst Schritt für Schritt, dass sie etwas sagen dürfen. Dass sie widersprechen dürfen. Dass sie sich wehren dürfen.

Manchmal beginnt das mit einfachen Sätzen: „Das will ich nicht.“ „Das ist mir zu viel.“ „Ich möchte das anders.“


Ein weiterer wichtiger Schritt ist zu erkennen: Ich darf mir Hilfe holen. Auch eine Meldung gehört dazu. Nicht als etwas Bedrohliches. Sondern als Möglichkeit, sich mitzuteilen, sich Unterstützung zu holen und Situationen klären zu lassen.


Grenzverletzungen können in unterschiedlichen Richtungen stattfinden. Auch im professionellen Kontext. Auch dort, wo eigentlich Schutz da sein sollte. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Menschen wissen: Ich darf das ansprechen. Ich darf eine Meldung machen. Ich werde darin unterstützt. Nicht gegen jemanden. Sondern für mich.


Solche Entwicklungen brauchen Räume. Räume, in denen Menschen lernen dürfen:

  •  ihre Grenzen wahrzunehmen 
  •  Worte dafür zu finden 
  •  und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln 

Räume, in denen sie erleben: Ich werde gehört. Ich werde ernst genommen. Ich habe Möglichkeiten.


Selbstbestimmung entsteht nicht von allein. Sie darf wachsen. Im Alltag. Im Kontakt. Und in solchen Momenten. Manchmal beginnt sie ganz leise. Mit dem Gefühl: Etwas stimmt nicht. Und dem Mut, dem nachzugehen.